Der Himmel auf Erden: Stoffmarkt

Hallo ihr Lieben,

Ihr habt sicherlich schon von diesem mythischen Ort gehört. Sagenumwoben, der Traum vieler Näherinnen, DIE Möglichkeit gaaaanz viele Stoffe endlich in die Hände zu bekommen…Ihr wisst wovon ich spreche: ja, es ist der Stoffmarkt. Und nächste Woche ist es wieder in Bremen so weit. Der Termin ist ganz dick und rot im Kalender eingetragen und nix – aber auch wirklich gaaaar nix! – kann mich davon abhalten am 07. November auf den Markt zu gehen!

Anfang Mai war ich nun zum ersten Mal selbst dort und bin prompt in die ein oder andere Falle getappt. Dies hat mich nun dazu bewogen, mich besser auf den kommenden Termin vorzubereiten, damit ich einen wunderbar entspannten Tag auf dem Stoffmarkt verbringen kann, gelobe ich quasi Besserung. Ähhh….Mooooment: ENTSPANNT??? STOFFMARKT??? In einem Satz???? Passt nicht zusammen, hmm? Passt wohl!

Hier also ein paar Tipps für den Besuch auf dem Stoffmarkt:

Stoffausbeute

Stoffausbeute

1) Einen ganzen Tag lang nur Stoffe

Der holländische Stoffmarkt kommt regelmäßig in vielen Städten Deutschlands vorbei. Ich kann nur sagen: Nehmt euch für den gesamten Tag am Besten nichts vor! In meinem Kopf wollte ich nur 2-3 Stunden bleiben. Daraus wurd denn fast der komplette Markttag: von 10 bis 16 Uhr sind wir geblieben. Und ich hab’s nicht gemerkt! Ich hatte mir aber auch wirklich den ganzen Tag blockiert; so sicherheitshalber….

Die Termine werden zum Glück schon recht früh kommuniziert. Und wann der Markt bei euch in der Nähe Station macht, findet ihr weiter unten in den aktuellen Terminen. Die Marktzeiten sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich, bewegen sich aber im Rahmen 10/11 – 17/18 Uhr. Und da ich keine Lust habe zu hetzen (gerade bei Stoffen, muss ich doch noch viel nachdenken, wofür ich den Stoff haben will und wie ich kombinieren soll. Das braucht scheinbar bei mir seine Zeit…*hmpf*), muss halt bei mir ein ganzer Tag eingeplant werden.

Probestücke Jersey

Probestücke Jersey

So wie ich nun herausfand, gibt es zwei unterschiedliche Stoffmärkte, die aber nach ähnlichem Prinzip verlaufen. Der eine ist der Stoffmarkt Holland dessen Termine ihr hier findet und der auch hier in Bremen Station macht. Der andere nennt sich „Stoff und Tuch Markt“ und wird an diesen Terminen von Expo Concept durchgeführt. Beide Märkte steuern unterschiedliche Städte an. Schaut also am Besten bei beiden Veranstaltern nach, wo ein Markt in eurer Nähe stattfindet.

2) Die Begleitung

Gleich vorweg: Lasst Männer, Kinder und Tiere zu Hause! Nehmt eine Freundin mit oder geht alleine.

Warum keine Männer?

Wie kann man diesen wunderbaren Anblick der Massen an Stoffen, Nähzubehör und die daraus entstehenden Kombinationsmöglichkeiten am besten genießen? Genau, mit einer ebenso nähverrückten lieben Freundin. Das kann kein Mann! Oder zumindest kaum einer. Nur einen einzigen hab ich gesehen, der ebenfalls in den Stoffen wühlte und Nähbegeistert zu sein schien.

99% der anwesenden Männer liefen entweder gelangweilt hinter der Frau her, degradiert zum Träger der vielen Taschen oder fristeten ein trauriges Dasein als Statue an der Uferbegrenzung der Kaje, umfunktioniert zur Plastiktütensammelstelle. Zur Mittagszeit versammelten sie sich dann wie die Motten um das Licht, am Bratwurststand (das war ein amerikanischer aus poliertem Aluminium, auf dem das Sonnenlicht wunderbar reflektierte). Ein wahrlich trauriger Anblick.

Die Gespräche, die ich entweder mitbekam oder selber führte, waren entweder voller Resignation oder trieften vor Langeweile. Ein Beispiel: Während Gabi voller Elan in den Stoffen wühlt „Oh guck mal Uwe, den Stoff könnten wir doch für kleine Vorhänge in der Küche verwenden. Oder was meinst du?“ und Uwe antwortet „Mhmmm….Wenn du meinst…. Ich hol mir nochmal ne Bratwurst!“, naja – spricht das nicht Bände??????

Beschichtete Baumwolle

Beschichtete Baumwolle

Lasst die Männer zu Hause! Die sind besser aufgehoben bei ihrem eigenen Hobby, genießen vielleicht auch mal ein paar Stunden ohne Frau, verdonnert sie zum Haushalt oder was auch immer euch da einfällt. Aber auf dem Stoffmarkt sind sie nicht gut aufgehoben. Und wenn ihr einen Taschenträger braucht, naja, entweder lernt Frau die Taschen selber zu tragen oder aber nimmt einen Einkaufswagen mit. Ich hatte meinen dabei und wenn man aufpasst, keinem auf die Füße oder in die Hacken zu fahren, dann ist das ein ganz wunderbarer Taschenträger. Und ich verspreche: er nörgelt auch nicht rum 😉

Warum keine Kinder und Tiere?

Gerade wenn ihr schon zu Beginn des Marktes um 10/11 Uhr aufschlagt, wird an den Ständen ein heilloses Gedränge herrschen. Manche Frauen schubsen, kämpfen und reissen sich tlw. die Stoffe aus den Händen, als würde es morgen keine Stoffe mehr auf der Welt geben. An den Ständen wir gedrängelt und Motto ist Ellenbogen raus.

Ganz ehrlich: das ist kein Ort für Babies, kleine Kinder und Tiere. Man kommt mit den Kinderwagen nicht an die Stände heran und dort herrscht so ein Gedränge, da wird auf Säuglinge vor dem Bauch nicht geachtet und Tieren auf die Pfoten getreten.

Wenn man die Möglichkeit hat, dann ist es wirklich angeraten für Kind und Tier eine Betreuung zu organisieren. Ob Mann, Familie, Freundin oder wer auch immer, es findet sich immer jemand, der Verständnis für eure „Stoffsucht“ hat und euch in der Situation helfen kann.

Wenn man diese Möglichkeit aber nicht hat, was sind dann die besten Zeiten, um auf den Markt zu gehen? Das seht ihr hier im Anschluß.

3) Das Timing ist Entscheidend

Wenn man das Gedränge vermeiden möchte, dann sollte man auf keinen Fall zwischen der Öffnungszeit und 12.00 Uhr aufschlagen. Dort war es wirklich am Vollsten.

Man kommt kaum an die Stände heran und es ist nicht wirklich angenehm, wenn man sich bis zu einer Auslage herangekämpft hat. Man bekommt wie gesagt die Ellenbogen ab, den Wagen in die Hacken gefahren u.ä.. Es artet da doch manches mal zu einer schmerzhaften Angelegenheit aus.

Und nach nur einem Versuch, an einen solchen Stand heranzukommen, habe ich mich schlußendlich doch dafür entschieden mir in der Zeit einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Man kann ja ein wenig erspähen, was für Stoffe dort angeboten werden.

Kunstleder

Kunstleder

Für diejenigen, die aber sehr gerne mit den Kindern auf den Markt möchten (es ist ja schließlich nicht nur was für Erwachsene so ne Veranstaltung – als 8-10 Jährige hätte ich sicher so einen Markt geliebt!), dem rate ich eher zum Zeitfenster 14 Uhr bis zum Ende. Diese Zeit war wirklich sehr entspannt, man sah viele Mamas mit ihren Kleinkindern und sie konnten auch viel besser mit dem Kinderwagen an die Stände heran. Und wer irgendwelche Befürchtungen hegen könnte, zu dieser Zeit sei das Angebot nur noch eingeschränkt: kein Stand war ausverkauft! Jeder hatte noch reichlich Stoffe vorhanden und man hätte sicherlich noch einmal einen ähnlichen Ansturm wie am Morgen bewältigt. Ja, es kann sein, dass zu dieser Zeit das ein oder andere Superteil weg ist, aber dann hat man es ja eh net gewusst, dass es angeboten wurde! Ergo, kein Grund sich zu ärgern. 🙂

4) Budget setzen und die EC-Karte zu Hause lassen

Was würde ich darum geben, ohne Limit shoppen zu gehen? Ganz ehrlich, meine Wahl würde nicht auf Schuhe fallen! Ich könnte mir vorstellen, dass wir alle gerne jegliche Stoffmärkte und Online-Händler die auch nur den kleinsten Fitzel Stoff anbieten, leer kaufen möchten. Nicht auf das Budget schauen und „einfach machen“.

Die harte Realität ist aber, dass die Meisten von uns immer mal wieder ein Zwiebel-Portemonnaie haben: machst du’s auf, kommen dir die Tränen 😦 Wir müssen uns schweren Herzens ein Limit setzen. Also lege ich jeden Monat ein wenig Geld beiseite nur für diesen Zweck und nehme auch nur dieses Geld mit auf den Markt.

Punkte und Sterne Baumwolle

Punkte und Sterne Baumwolle

Auch wenn an vielen Ständen der Kauf mit der EC-Karte möglich ist, lasst sie besser zu Hause. Sie verführt doch gar sehr, das zur Verfügung stehende Budget zu sprengen. Ich habe mich auch dabei ertappt, dass ich sie genutzt habe. Und iwooooo…..nicht, dass ich mich im Nachhinein geärgert hätte. Ich habe damit nur einen Stoff gekauft, der seitdem in der Stoffkiste liegt.

Das führt mich zum folgenden Punkt….

5) Quittungen geben lassen

Quittungen geben lassen???? Ihr werdet euch vielleicht denken, was das wohl soll. Ganz einfach: a) man behält auf der einen Seite den Überblick über die Kosten (ein Stückchen Papier ist doch irgendwie sehr viel aussagekräftiger) und b) da schreiben die Händler auch gerne den Namen des Stoffes drauf, wenn man nett fragt.

Hätte ich das bloß schon im Mai gemacht, dann hätte ich net so lange nach dem Namen des Kokka Stoffs suchen müssen. Gebt mal bei google Stoff, schwarz, weiß, Dreiecke, Vögelchen ein…..HAHA!

6) Plane deinen Stoffeinkauf

Ich bin auch so eine: der Stoff fühlt sich sooooo toll an, den muss ich UNBEDINGT haben! Was ich draus mache? Keine Ahnung, irgendwas wird mir schon einfallen. Bis heute ist mir natürlich nix in den Sinn gekommen…

In jüngster Zeit bin ich dazu übergegangen, mir meine Projekte in einer Kladde zu notieren (uuhh….dafür fehlt noch eine Hülle! *neeext on my list*) und durch meinen kleinen Stofffundus zu gehen. Jetzt kann ich zumindest etwas mehr konkretisieren, welche Stoffe mir wofür fehlen. Generell brauch ich mehr Uni-Stoffe, da ich scheinbar mehr auf Muster aus war. Einige Farben dominieren bei mir (Nein, ich kaufe kein Rosa und kein Türkis mehr!), andere sind wiederum eher spärlich vertreten. Da gilt es doch, eine Ausgewogenheit herzustellen, oder? 😉

Und so werde ich mit meiner kleinen Einkaufsliste im November losziehen…

Klar, ich werde sicherlich das ein oder andere Stück Stoff einfach so in mein Herz schließen und das wird mich sehr sicher nur noch anbrüllen: KAUFEN!!! HABEN WILL!!! Das gehört zum Markt dazu und irgendwann in meinem Leben, werde ich vielleicht doch noch darauf kommen, was ich daraus machen kann 😉

7) Vorbereitung (nicht auf den letzten Drücker) ist Trumpf

Nun habe ich doch nicht darauf geachtet, dass der Termin quasi ins Haus steht und stehe dementsprechend leicht unter Strom, weil ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht habe. Zu sehr war ich in den letzten Wochen mit anderen Dingen beschäftigt.

Ich habe also diese Woche spät Abends noch mit der Durchsicht meiner Stoffe verbracht. Und es steht fest: ich brauch seeeehr viel mehr Uni, oder Stoffe mit dezenten Mustern aus der selben Farbfamilie. Ich habe gemerkt, ich bin nicht so sehr der wilde Mustermixer und brauch zumindest einen dezenteren Stoff in der Kombination 🙂 Ganz klar hanseatisches Understatement 😉

Also muss ich es diese Woche irgendwie schaffen, zumindest ein paar Inspirationen im Web zu suchen. Eine wahnsinnig schwere Aufgabe wie ich finde. Ich geh bei solchen Suchen einfach gerne mal verloren…. genauso wie ich auch auf dem Stoffmarkt „verloren“ gehe. Ergo: Stoff-Kompass erstellen! Und wenn vielleicht nicht in aller Ausführlichkeit, aber zumindest eine grobe Richtung sollte ich schon haben.

8) Die alles entscheidende Frage: Günstig oder nicht?

Meine persönliche Beobachtung war, dass ich die Preise weder sonderlich günstig, noch sehr viel teurer fand, als diejenigen die ich Online gesehen hatte. Klar, man spart sich bei jedem Händler die Versandkosten und wenn ich das hochrechne auf die Anzahl der Händler bei denen ich auf dem Markt gekauft habe, dann habe ich dahingehend sicher 15-20 Euro gespart. Zumindest bei den Baumwollstoffen sind die Meterpreise Online und Offline doch sehr ähnlich. Zu Jersey muss ich gestehen, kann ich nicht so viel sagen, da dies bisher nicht zu meinem „Jagdspektrum“ gehörte.

Kokka Echino - Huedrawer schwarz

Kokka Echino – Huedrawer schwarz

Bei den Webbändern, den Reißverschlüssen und dem Nähzubehör allerdings habe ich es auch als deutlich teurer empfunden. Bei Webbändern war es nicht selten, dass da gerne mehr als 1 Euro gegenüber dem Onlinepreis drauf geschlagen wurde. Sicher kann ich verstehen, dass die Standgebühren dort auch erwirtschaftet werden müssen. Wenn ich aber feststellen muss, dass es selbst mit den Versandkosten deutlich günstiger ist, bei dem Händler online zu kaufen, dann bin ich da schon leicht enttäuscht drüber. Ich kaufe nämlich viel lieber beim Händler direkt als über seinen Shop. Aber da bleibt mein Schnäppchen-Instinkt doch nicht gänzlich ruhelos.

9) Fazit

Es war so ein schöner Tag, ich hatte so viel Spaß und es lohnt sich wirklich einen Abstecher auf den Markt einzuplanen. Wo sonst trifft man so viele Nähbegeisterte wie hier? Man kommt ganz schnell ins Schnacken, tauscht sich aus und jaaa….ich belausche auch einfach gerne so manche Unterhaltung, weil’s so interessant ist, was sich da gerade ausgedacht wird 😉

Und dieses Mal gehe ich ja auch nicht mehr so ganz blind hin, da ich ungefähr weiß was mich erwartet. Trotzdem bleibt der Besuch auf dem Markt eine spannende Sache, auf die man sich zu Recht freuen kann.

Ich hoffe, diese paar kleinen Tipps helfen euch ein wenig und ihr verbringt einen wunderbar entspannten Tag 🙂

In diesem Sinne wünsche ich euch ganz viel Spaß bei eurem Besuch auf dem Stoffmarkt!

Eure

Caramlu kurz

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s